Vollbeschäftigung

Diese Begriffserklärung teilen
« Zurück zum Glossar Index
Vollbeschäftigung

Bild von maniacvector auf Freepik

Vollbeschäftigung bezeichnet den Zustand einer Volkswirtschaft, in dem alle verfügbaren Arbeitskräfte, die arbeiten möchten und können, auch tatsächlich eine Beschäftigung finden. Es bedeutet nicht, dass keine Arbeitslosigkeit existiert, sondern dass die Arbeitslosigkeit auf einen natürlichen oder strukturellen Wert gesenkt wurde, der als unvermeidlich gilt, selbst in einer optimal funktionierenden Wirtschaft.

Kernkonzepte der Vollbeschäftigung:

  1. Natürliche Arbeitslosigkeit:
    • Auch bei Vollbeschäftigung existiert eine gewisse Arbeitslosigkeit, die als natürliche Arbeitslosigkeit bezeichnet wird. Diese setzt sich aus verschiedenen Arten von Arbeitslosigkeit zusammen:
      • Friktionelle Arbeitslosigkeit: Sie tritt auf, wenn Arbeiter zwischen zwei Jobs wechseln oder gerade nach einer neuen Stelle suchen. Diese Art der Arbeitslosigkeit ist vorübergehend und relativ kurz.
      • Strukturelle Arbeitslosigkeit: Sie entsteht, wenn es eine Mismatch (Fehlanpassung) zwischen den Fähigkeiten der Arbeitskräfte und den Anforderungen des Arbeitsmarktes gibt. Zum Beispiel können bestimmte Industrien schrumpfen, während neue Sektoren entstehen.
  2. Fiskal- und Geldpolitik:
    • In einer Wirtschaftspolitik wird Vollbeschäftigung oft als ein Ziel betrachtet, das durch Fiskalpolitik (z.B. staatliche Ausgaben) oder Geldpolitik (z.B. Zinssenkungen durch die Zentralbank) erreicht werden kann. Diese Maßnahmen sollen Nachfragelücken auf dem Arbeitsmarkt füllen, wenn die private Nachfrage unzureichend ist, um alle Arbeitskräfte zu beschäftigen.
  3. Unterschied zu vollständiger Arbeitslosigkeit:
    • Vollbeschäftigung bedeutet nicht, dass es keine Arbeitslosigkeit gibt. Vollständige Arbeitslosigkeit (d.h., wenn niemand arbeitslos ist) ist unrealistisch und wird als unerreichbar angesehen, da es immer Veränderungen im Arbeitsmarkt gibt, wie z.B. stellenangebotene Veränderungen, technologischer Fortschritt oder Wanderbewegungen von Arbeitskräften.
  4. Vollbeschäftigung und das Philips-Kurven-Modell:
  5. Vollbeschäftigung in der Praxis:

Arten der Arbeitslosigkeit, die nicht zu Vollbeschäftigung gehören:

  1. Zyklische Arbeitslosigkeit:
    • Diese Art von Arbeitslosigkeit tritt während Wirtschaftskrisen oder Rezessionen auf, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt und Unternehmen Arbeitskräfte abbauen. Vollbeschäftigung wird in solchen Phasen beeinträchtigt, bis sich die Wirtschaft wieder erholt.
  2. Saisonale Arbeitslosigkeit:
    • Diese tritt in bestimmten Sektoren auf, die saisonalen Schwankungen unterliegen, wie z.B. in der Landwirtschaft oder im Tourismus. In diesen Fällen ist die Arbeitslosigkeit in der Nebensaison höher, aber das ist keine strukturelle oder langfristige Form der Arbeitslosigkeit.

„Du möchtest zu diesen Begriff oder einem anderen Thema mit uns ins Gespräch kommen?“

Dann kontaktiere uns einfach hier! 😊


Vollbeschäftigung aus Sicht der verschiedenen ökonomischen Schulen:

  1. Neoklassische Wirtschaftstheorie:
  2. Keynesianismus:
  3. Arbeitsmarktsegmentation:
    • In einigen Theorien wird auch davon ausgegangen, dass der Arbeitsmarkt in verschiedene Segmente aufgeteilt ist. Das bedeutet, dass Vollbeschäftigung möglicherweise für einige Segmente des Marktes erreicht werden kann, während andere weiterhin hohe Arbeitslosigkeit aufweisen, aufgrund struktureller Unterschiede in den Qualifikationen oder geografischen Ungleichgewichten.

Vollbeschäftigung in der Praxis: Beispiele

  • Skandinavische Länder wie Schweden und Norwegen haben in den letzten Jahrzehnten relativ niedrige Arbeitslosenquoten erreicht, die oft als Beispiel für Vollbeschäftigung genannt werden. Dies wurde durch eine Mischung aus umfassenden Sozialprogrammen und einer aktiven Arbeitsmarktpolitik erreicht.
  • Deutschland hat in den letzten Jahren nach der Finanzkrise von 2008 einen Anstieg der Beschäftigung erlebt und eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in der Eurozone erreicht, was auch als Annäherung an Vollbeschäftigung gilt.

Fazit:

Vollbeschäftigung ist das wirtschaftliche Ziel, bei dem alle verfügbaren Arbeitskräfte in einer Volkswirtschaft beschäftigt sind, die arbeiten wollen und können. In der Theorie sind natürliche Formen der Arbeitslosigkeit (wie friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit) unvermeidlich. Vollbeschäftigung bedeutet nicht vollständige Arbeitslosigkeit, sondern die Minimierung dieser natürlichen Arbeitslosigkeit. Die Erreichung von Vollbeschäftigung kann durch gezielte wirtschaftliche Maßnahmen, wie Fiskalpolitik, Geldpolitik und Arbeitsmarktpolitik, unterstützt werden.

Wir sind darum bemüht die angebotenen Informationen aktuell zu halten und diese in knapper und verständlicher Form darzustellen. Fehler und Irrtümer bleiben aber menschlich und darum vorbehalten. Bei Unstimmigkeiten zu einem Begriff, bitten wir darum dies per E-Mail mit uns zu diskutieren. Bitte nutze hierfür unsere E-Mail: info@jupiterexpress.de« Zurück zum Glossar Index