Verwässerung

Diese Begriffserklärung teilen
« Zurück zum Glossar Index

Verwässerung (englisch: dilution) bezeichnet im wirtschaftlichen Kontext eine Verringerung des Anteils eines bestehenden Aktionärs an einem Unternehmen. Diese Verringerung tritt auf, wenn das Unternehmen neue Aktien ausgibt oder andere Instrumente, wie zum Beispiel Wandelanleihen oder Optionen, in Aktien umgewandelt werden. Das bedeutet, dass die Anzahl der ausgegebenen Aktien steigt, wodurch der prozentuale Anteil des einzelnen Aktionärs am Unternehmen sinkt.

Ursachen der Verwässerung:

  1. Emission neuer Aktien: Wenn ein Unternehmen neue Aktien ausgibt (z.B. durch eine Kapitalerhöhung), steigt die Gesamtzahl der Aktien im Umlauf, was den Anteil der bestehenden Aktionäre verringert.
  2. Umwandlung von Wandelanleihen: Wenn Inhaber von Wandelanleihen ihre Anleihen in Aktien umwandeln, erhöht sich ebenfalls die Anzahl der ausgegebenen Aktien.
  3. Ausgabe von Optionen oder Aktienbeteiligungen: Unternehmen geben häufig Aktienoptionen an Mitarbeiter oder Manager aus, die diese später in Aktien umwandeln können, was die Gesamtzahl der Aktien ebenfalls erhöht.

Beispiel 1: Kapitalerhöhung

Angenommen, ein Unternehmen hat aktuell 1.000.000 Aktien im Umlauf, und ein Aktionär besitzt 100.000 Aktien, was einem Anteil von 10 % entspricht. Nun gibt das Unternehmen 200.000 neue Aktien aus, um Kapital zu beschaffen.

  • Vor der Kapitalerhöhung:
    • Gesamtzahl der Aktien: 1.000.000
    • Der Aktionär besitzt: 100.000 Aktien
    • Anteil des Aktionärs: 100.000 / 1.000.000 = 10 %
  • Nach der Kapitalerhöhung:
    • Neue Gesamtzahl der Aktien: 1.000.000 + 200.000 = 1.200.000
    • Der Aktionär besitzt weiterhin 100.000 Aktien
    • Neuer Anteil des Aktionärs: 100.000 / 1.200.000 = 8,33 %

Verwässerung: Der Anteil des Aktionärs ist von 10 % auf 8,33 % gesenkt worden, was eine Verwässerung von 1,67 Prozentpunkten bedeutet.

Beispiel 2: Umwandlung von Wandelanleihen

Angenommen, ein Unternehmen hat 1.000.000 Aktien im Umlauf. Es gibt eine Wandelanleihe im Wert von 200.000 EUR mit einem Umtauschverhältnis von 1:10, d.h. für jeden Wert von 1.000 EUR Wandelanleihe erhält der Inhaber 10 Aktien. Ein Investor wandelt seine Wandelanleihen im Wert von 200.000 EUR in Aktien um.

  • Vor der Umwandlung:
    • Gesamtzahl der Aktien: 1.000.000
    • Anteil des Investors: 10.000 Aktien (angenommen, der Investor hält diese Aktien vor der Umwandlung)
    • Anteil des Investors: 10.000 / 1.000.000 = 1 %
  • Nach der Umwandlung:
    • Neue Gesamtzahl der Aktien: 1.000.000 + 2.000 = 1.002.000
    • Der Investor besitzt nun 12.000 Aktien (10.000 + 2.000 durch Umwandlung)
    • Neuer Anteil des Investors: 12.000 / 1.002.000 ≈ 1,20 %

Verwässerung: Der Anteil des Investors ist von 1 % auf 1,20 % gestiegen. In diesem Fall spricht man jedoch von einer „Erhöhung“ des Anteils für den Investor, aber die Verwässerung bezieht sich hier auf die Aktienanteile der bisherigen Aktionäre.

Beispiel 3: Aktienoptionen an Mitarbeiter

Angenommen, ein Unternehmen gibt seinen Mitarbeitern 100.000 Aktienoptionen. Diese Optionen ermöglichen es den Mitarbeitern, zu einem späteren Zeitpunkt Aktien des Unternehmens zu einem festgelegten Preis zu kaufen.

  • Vor der Ausgabe der Optionen:
    • Gesamtzahl der Aktien: 1.000.000
    • Ein Aktionär besitzt: 100.000 Aktien (10 % Anteil)
  • Nach der Ausgabe der Optionen:
    • Neue Gesamtzahl der Aktien: 1.000.000 + 100.000 = 1.100.000
    • Der Aktionär besitzt weiterhin 100.000 Aktien
    • Neuer Anteil des Aktionärs: 100.000 / 1.100.000 = 9,09 %

Verwässerung: Der Anteil des Aktionärs ist von 10 % auf 9,09 % gesenkt worden, was eine Verwässerung von 0,91 Prozentpunkten bedeutet.

Beispiel 4: Verwässerung bei einer Fusion oder Übernahme

Angenommen, ein Unternehmen hat 500.000 Aktien im Umlauf und ein weiteres Unternehmen wird übernommen. Das übernehmende Unternehmen gibt 200.000 neue Aktien aus, um die Übernahme zu finanzieren.

  • Vor der Übernahme:
    • Gesamtzahl der Aktien des übernehmenden Unternehmens: 500.000
    • Aktionär A besitzt 50.000 Aktien, was 10 % des Unternehmens entspricht.
  • Nach der Übernahme:
    • Neue Gesamtzahl der Aktien: 500.000 + 200.000 = 700.000
    • Aktionär A besitzt weiterhin 50.000 Aktien.
    • Neuer Anteil des Aktionärs: 50.000 / 700.000 = 7,14 %

Verwässerung: Der Anteil des Aktionärs ist von 10 % auf 7,14 % gesenkt worden, was einer Verwässerung von 2,86 Prozentpunkten entspricht.

Fazit:

Verwässerung tritt auf, wenn neue Aktien oder andere wandelbare Finanzinstrumente ausgegeben werden, die die Anzahl der ausstehenden Aktien erhöhen. Für bestehende Aktionäre bedeutet dies eine Verringerung ihres Anteils am Unternehmen. Verwässerung kann nachteilig sein, da sie den Einfluss, die Stimmrechte und den Anteil an den Gewinnen eines Aktionärs mindern kann. In einigen Fällen kann die Verwässerung jedoch auch Vorteile bieten, z.B. wenn neue Investitionen oder Kapitalzuflüsse das Unternehmen stärken und langfristig zu einem höheren Unternehmenswert führen.

Wir sind darum bemüht die angebotenen Informationen aktuell zu halten und diese in knapper und verständlicher Form darzustellen. Fehler und Irrtümer bleiben aber menschlich und darum vorbehalten. Bei Unstimmigkeiten zu einem Begriff, bitten wir darum dies per E-Mail mit uns zu diskutieren. Bitte nutze hierfür unsere E-Mail: info@jupiterexpress.de« Zurück zum Glossar Index