Verlustaversion

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Verlustaversion ist ein psychologisches Konzept aus der Verhaltensökonomie, das besagt, dass Menschen Verluste stärker empfinden als gewinne in gleicher Höhe. Mit anderen Worten: Der emotionale Schmerz über einen Verlust ist größer als die Freude, die mit einem gleichwertigen Gewinn verbunden ist.

Dieser Effekt wurde erstmals von den Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky im Rahmen ihrer Prospect Theory beschrieben. Sie fanden heraus, dass der Verlust von Geld, Zeit oder Ressourcen den Menschen stärker belastet als ein vergleichbarer Gewinn.


Wie funktioniert Verlustaversion?

Menschen neigen dazu, Risiken zu vermeiden, wenn es um potenzielle Verluste geht, und suchen Sicherheit. Gleichzeitig sind sie bereit, größere Risiken einzugehen, wenn es um potenzielle Gewinne geht. Es gibt also eine asymmetrische Wahrnehmung von Verlusten und gewinnen.

Beispiel:

  • Wenn dir jemand 100 Euro anbietet, um dein Risiko zu reduzieren, und gleichzeitig eine Wette mit dir abschließt, bei der du entweder 100 Euro gewinnst oder verlierst, wirst du die Wette im Allgemeinen ablehnen, selbst wenn der erwartete Wert der Wette für dich positiv ist. Das liegt daran, dass du den Verlust von 100 Euro stärker empfindest als den potenziellen Gewinn von 100 Euro.

Verlustaversion in der Praxis

  1. Verhaltensökonomie und Entscheidungsfindung:
    • Verlustaversion beeinflusst, wie Menschen Entscheidungen treffen, insbesondere bei finanziellen oder riskanten Situationen. Oftmals ziehen es Menschen vor, auf sichere Optionen zurückzugreifen, auch wenn eine riskantere Option langfristig vorteilhafter sein könnte. Dies kann in vielen Bereichen auftreten, wie etwa beim Investieren, bei Kaufentscheidungen oder bei der Berufswahl.
  2. Marketing und Werbung:
    • Unternehmen nutzen Verlustaversion, um den Kaufanreiz zu erhöhen. Ein häufig eingesetzter Trick ist das Prinzip der „Verlustrisiken“: Wenn Konsumenten das Gefühl haben, dass sie durch den Nicht-Kauf eines Produkts etwas verlieren könnten, sind sie eher geneigt zu kaufen.
    • Beispiel: „Verpassen Sie nicht unser Sonderangebot! Nur noch heute, 20% Rabatt!“ Diese Strategie spricht die Angst vor einem Verlust an, was dazu führt, dass Konsumenten sich eher zum Kauf entscheiden.
  3. Verhaltensänderung und Vermeidung von Verlusten:
    • Verlustaversion beeinflusst auch die Motivation, Verhaltensänderungen vorzunehmen. Menschen sind oft unmotiviert, eine Veränderung zu akzeptieren, wenn der potenzielle Verlust als größer wahrgenommen wird als der potenzielle Gewinn.
    • Beispiel: Wenn ein Unternehmen ein Abonnementmodell einführt, könnte die Androhung, dass der Zugang ohne Verlängerung verloren geht, die Kunden stärker motivieren als der potenzielle Gewinn eines neuen Angebots.
  4. Spiele und Glücksspiel:
    • Die Verlustaversion wird häufig in Glücksspiel- und Casinospielen ausgenutzt. Die Aussicht auf kleine Gewinne kann Menschen dazu bringen, weiter zu spielen, während der Verlust von Einsätzen als besonders schmerzhaft empfunden wird, was dazu führt, dass Spieler unüberlegte Entscheidungen treffen.

Verlustaversion im Alltag

  1. Kaufentscheidungen: Wenn Menschen ein Produkt kaufen, das im Preis gesenkt wurde, können sie sich stärker über den „verlorenenRabatt ärgern, als sich über den gewonnenen Wert zu freuen.
  2. Finanzentscheidungen: Ein Anleger könnte zögern, eine verlustbringende Investition zu verkaufen, selbst wenn die Aussichten darauf weiterhin negativ sind, da der psychologische Schmerz des realisierten Verlusts als intensiver empfunden wird als die potenzielle Möglichkeit, den Verlust zu vermeiden.
  3. Verhandlungsstrategien: In Verhandlungen kann die Bedrohung eines Verlusts (z.B. der Verlust eines Vorteils oder Angebots) stärker ins Gewicht fallen als die Aussicht auf einen möglichen Gewinn. Daher kann der Einsatz von Verlusten als Verhandlungstaktik sehr effektiv sein.

**Verlustaversion und die Prospect Theory

Kahneman und Tverskys Prospect Theory hilft, den Effekt der Verlustaversion zu erklären. Laut dieser Theorie:

  • Verluste werden disproportional stark wahrgenommen. Ein Verlust von 100 Euro wird emotional stärker erlebt als der Gewinn von 100 Euro.
  • Menschen sind risikoscheu, wenn es um gewinne geht, aber risikofreudig, wenn es um Verluste geht. Dies bedeutet, dass Menschen tendenziell eher riskante Entscheidungen treffen, wenn sie versuchen, einen Verlust zu vermeiden.

Beispiel zur Veranschaulichung der Verlustaversion

  • Beispiel 1 – Kalt erwischt:
    • Du hast 100 Euro investiert und das Geschäft bietet dir 120 Euro an, um den Gewinn zu sichern. Die Option klingt verlockend, aber viele Menschen würden weiter warten, um den Gewinn weiter steigen zu sehen, da der psychologische Verlust, die 100 Euro nicht als Gewinn zu realisieren, schmerzhaft sein könnte.
  • Beispiel 2 – Kauftaktik:
    • Ein Online-Shop könnte einem Käufer ein Produkt zum normalen Preis anbieten, aber es gibt auch die Option, das Produkt in einem begrenzten Zeitraum mit einem Rabatt zu kaufen. Dies lässt den Käufer den Eindruck gewinnen, etwas zu verlieren, wenn er nicht kauft – das Prinzip der Verlustaversion wird hier klar angesprochen.

Fazit

Verlustaversion ist ein zentrales Konzept in der Verhaltensökonomie, das unser Entscheidungsverhalten beeinflusst, indem es die emotionale Bedeutung von Verlusten über die von Gewinnen stellt. Menschen sind stärker motiviert, Verluste zu vermeiden, als Gewinne zu erzielen. Dies wirkt sich auf unser Verhalten in den Bereichen Finanzen, Marketing, Entscheidungsfindung und Verhandlungen aus und wird von Unternehmen und anderen Akteuren strategisch genutzt, um Entscheidungen zu lenken.

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