Nachfrageelastizität

Diese Begriffserklärung teilen
« Zurück zum Glossar Index
Nachfrageelastizität

Bild von maniacvector auf Freepik

Nachfrageelastizität (auch Preiselastizität der Nachfrage) ist ein Konzept der Ökonometrie und Mikroökonomie, das beschreibt, wie stark die Nachfrage nach einem Gut oder einer Dienstleistung auf eine Veränderung des Preises reagiert. Es misst also, wie empfindlich die Käufer auf Preisänderungen reagieren und wie sich diese auf die gekaufte Menge auswirken.

Die Nachfrageelastizität wird mathematisch als Verhältnis der prozentualen Veränderung der nachgefragten Menge eines Gutes zu der prozentualen Veränderung des Preises dieses Gutes ausgedrückt.

1. Formel der Nachfrageelastizität

Die Formel zur Berechnung der Nachfrageelastizität lautet: Ed=% Vera¨nderung der nachgefragten Menge% Vera¨nderung des PreisesE_d = \frac{\% \text{ Veränderung der nachgefragten Menge}}{\% \text{ Veränderung des Preises}}

Das Ergebnis wird als Elastizitätskoeffizient bezeichnet. Dieser Wert zeigt an, wie empfindlich die Nachfrage auf Preisänderungen reagiert.

  • Ed>1E_d > 1: Die Nachfrage ist elastisch (sehr empfindlich gegenüber Preisänderungen).
  • Ed=1E_d = 1: Die Nachfrage ist einheitselastisch (Preisänderungen und Nachfrageänderungen stehen im gleichen Verhältnis).
  • Ed<1E_d < 1: Die Nachfrage ist unelastisch (die Nachfrage reagiert wenig auf Preisänderungen).

2. Arten der Nachfrageelastizität

2.1 Elastische Nachfrage (E_d > 1)

Wenn die Nachfrage elastisch ist, bedeutet dies, dass eine kleine Preisänderung zu einer relativ großen Veränderung in der nachgefragten Menge führt. In diesem Fall sind die Konsumenten sehr empfindlich gegenüber Preisänderungen. Produkte, die als Luxusgüter oder Substitutionsgüter angesehen werden, haben oft eine elastische Nachfrage, da es viele Alternativen gibt, die Käufer bei einer Preissteigerung wählen können.

  • Beispiel: Ein Anstieg des Preises für ein bestimmtes Markenparfüm könnte dazu führen, dass die Käufer auf eine andere Marke oder ein günstigeres Produkt umsteigen.

2.2 Unelastische Nachfrage (E_d < 1)

Wenn die Nachfrage unelastisch ist, bedeutet dies, dass die Nachfrage nur wenig auf Preisänderungen reagiert. Konsumenten sind in diesem Fall weniger empfindlich gegenüber Preisänderungen, weil es entweder keine Substitute gibt oder das Produkt als lebensnotwendig angesehen wird.

  • Beispiel: Medikamente, die für die Gesundheit eines Menschen unerlässlich sind, haben eine unelastische Nachfrage. Selbst wenn der Preis für ein Medikament steigt, werden die Menschen es weiterhin kaufen, weil es keine Alternativen gibt.

2.3 Einheitselastische Nachfrage (E_d = 1)

Bei einer einheitselastischen Nachfrage führt eine prozentuale Preisänderung zu einer prozentual gleichen Änderung der nachgefragten Menge. Das bedeutet, dass sich die Einnahmen des Unternehmens nicht verändern, wenn der Preis verändert wird.

  • Beispiel: Ein Produkt, dessen Preis um 5 % steigt und dessen nachgefragte Menge um 5 % sinkt, hat eine einheitselastische Nachfrage.

„Du möchtest zu diesen Begriff oder einem anderen Thema mit uns ins Gespräch kommen?“

Dann kontaktiere uns einfach hier! 😊


3. Faktoren, die die Nachfrageelastizität beeinflussen

Es gibt mehrere Faktoren, die die Elastizität der Nachfrage beeinflussen:

3.1 Vorhandensein von Substituten

Wenn es viele Substitutionsgüter (Ersatzprodukte) gibt, ist die Nachfrage nach einem Produkt in der Regel elastisch, da Konsumenten leicht auf ein anderes Produkt umsteigen können, wenn der Preis steigt.

  • Beispiel: Wenn der Preis für Cola steigt, könnten viele Verbraucher zu anderen Erfrischungsgetränken wie Limonade oder Wasser wechseln.

3.2 Notwendigkeit des Produkts

Wenn ein Produkt als Notwendigkeit betrachtet wird, wird die Nachfrage in der Regel unelastisch, da die Konsumenten das Produkt auch dann weiterhin kaufen müssen, wenn der Preis steigt.

  • Beispiel: Benzin ist in vielen Regionen ein notwendiges Gut. Selbst bei einem Preisanstieg wird die Nachfrage nicht stark zurückgehen, da Menschen weiterhin Benzin benötigen, um ihre Autos zu betreiben.

3.3 Anteil des Einkommens, das für das Produkt ausgegeben wird

Wenn der Preis eines Produkts einen großen Anteil des Einkommens einer Person ausmacht, ist die Nachfrage oft elastischer. Bei teuren Produkten reagieren Konsumenten empfindlicher auf Preisänderungen als bei günstigen Produkten.

  • Beispiel: Ein hoher Preis für ein neues Auto kann die Nachfrage signifikant beeinflussen, da das Auto einen größeren Teil des Einkommens beansprucht.

3.4 Zeit

Die Nachfrageelastizität kann auch von der Zeitspanne abhängen. Auf lange Sicht reagieren Konsumenten tendenziell stärker auf Preisänderungen, da sie mehr Zeit haben, sich anzupassen und nach Alternativen zu suchen.

  • Beispiel: Wenn der Preis für Benzin über einen längeren Zeitraum steigt, könnten Konsumenten auf umweltfreundlichere Fahrzeuge oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, was die Nachfrage nach Benzin elastischer macht.

4. Beispiele für Nachfrageelastizität

4.1 Beispiel für elastische Nachfrage

  • Produkt: Smartphones
  • Wenn der Preis eines bestimmten Smartphone-Modells um 10 % steigt, könnte die Nachfrage nach diesem Modell um mehr als 10 % sinken, da viele Konsumenten alternative Marken oder Modelle wählen können. Hier handelt es sich um ein elastisches Gut.

4.2 Beispiel für unelastische Nachfrage

  • Produkt: Salz
  • Wenn der Preis für Salz um 50 % steigt, wird die Nachfrage wahrscheinlich nur sehr wenig sinken. Menschen benötigen Salz für die Ernährung und werden es auch dann weiterhin kaufen, wenn der Preis steigt, was zu einer unelastischen Nachfrage führt.

4.3 Beispiel für einheitselastische Nachfrage

  • Produkt: Kombination von Preis und Menge für ein Produkt
  • Ein Produkt hat eine einheitselastische Nachfrage, wenn eine Preiserhöhung um 5 % zu einem Rückgang der nachgefragten Menge um 5 % führt, sodass die Gesamteinnahmen des Unternehmens gleich bleiben.

5. Bedeutung der Nachfrageelastizität

Die Nachfrageelastizität hat für Unternehmen und Regierungen große Bedeutung:

  • Unternehmen können mithilfe der Elastizität herausfinden, wie Preisänderungen die Einnahmen beeinflussen. Ein Unternehmen könnte beispielsweise entscheiden, den Preis für ein Produkt zu senken, wenn es erkennt, dass die Nachfrage elastisch ist und dadurch mehr Umsatz generiert wird.
  • Regierungen berücksichtigen die Nachfrageelastizität, wenn sie Steuern auf Produkte erheben. Produkte mit unelastischer Nachfrage, wie Benzin oder Tabak, sind oft ideale Steuerobjekte, da Preiserhöhungen die Nachfrage nur wenig beeinflussen und damit die Steuereinnahmen stabil bleiben.

6. Zusammenfassung

Die Nachfrageelastizität beschreibt, wie stark die nachgefragte Menge eines Produkts auf Änderungen des Preises reagiert. Sie kann elastisch (sehr empfindlich gegenüber Preisänderungen), unelastisch (wenig empfindlich) oder einheitselastisch (prozentual gleiche Änderung) sein. Die Elastizität wird von verschiedenen Faktoren wie Substituten, Notwendigkeit, Preisanstieg und Zeit beeinflusst. Ein besseres Verständnis der Elastizität hilft Unternehmen und Regierungen, fundierte Entscheidungen in Bezug auf Preisgestaltung, Steuern und Markstrategien zu treffen.


Wir sind darum bemüht die angebotenen Informationen aktuell zu halten und diese in knapper und verständlicher Form darzustellen. Fehler und Irrtümer bleiben aber menschlich und darum vorbehalten. Bei Unstimmigkeiten zu einem Begriff, bitten wir darum dies per E-Mail mit uns zu diskutieren. Bitte nutze hierfür unsere E-Mail: info@jupiterexpress.de« Zurück zum Glossar Index