Fair Value

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Fair Value

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1. Was ist der Fair Value?

Der Fair Value (deutsch: fairer Wert) bezeichnet den theoretisch gerechten oder angemessenen Preis eines Vermögenswerts, basierend auf dessen fundamentalen Eigenschaften und Marktbedingungen. Er dient als Referenzwert, um zu bestimmen, ob ein Wertpapier oder ein anderes Asset überbewertet, unterbewertet oder fair bewertet ist.

Der Fair Value wird häufig in der Bilanzierung, Unternehmensbewertung und im Finanzmarkt genutzt und ist besonders wichtig für Investoren, Analysten und Wirtschaftsprüfer.


2. Berechnung des Fair Value

Die Ermittlung des Fair Value hängt von der Art des Vermögenswerts ab. Es gibt verschiedene Methoden, um den fairen Wert zu bestimmen:

1. Discounted-Cashflow-Methode (DCF)

  • Der zukünftige Cashflow eines Unternehmens oder Investments wird geschätzt und auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst.
  • Diese Methode basiert auf der Idee, dass ein Unternehmen so viel wert ist wie seine zukünftigen Gewinne in heutiger Kaufkraft.
  • Formel für den Fair Value: FV=∑CFt(1+r)tFV = \sum \frac{CF_t}{(1+r)^t} wobei:
    • CFtCF_t = erwarteter Cashflow im Jahr t
    • rr = Diskontierungszinssatz
    • tt = Zeitperiode
  • Beispiel:
    Ein Unternehmen erwartet einen jährlichen Cashflow von 100.000 € über die nächsten 5 Jahre, und der Diskontierungssatz beträgt 8 %.
    Dann wird jeder Cashflow auf seinen heutigen Wert abgezinst und summiert, um den Fair Value zu berechnen.

2. Vergleichswertverfahren (Market Approach)

  • Hier wird der Fair Value durch den Vergleich mit ähnlichen Assets ermittelt.
  • Beispiele:
    • Aktienbewertung: Vergleich mit anderen Unternehmen der gleichen Branche anhand von Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) oder EV/EBITDA.
    • Immobilienbewertung: Vergleich mit ähnlichen Immobilien in der Umgebung.
  • Beispiel:
    Wenn ähnliche Unternehmen in einer Branche ein KGV von 15 haben und ein Unternehmen einen Gewinn pro Aktie von 2 € erzielt, wäre der Fair Value: Fair Value=2×15=30 € pro Aktie\text{Fair Value} = 2 \times 15 = 30 \text{ € pro Aktie}

3. Wiederbeschaffungskosten-Methode (Cost Approach)

  • Der Fair Value basiert auf den Kosten, die notwendig wären, um das Asset neu zu erstellen oder zu ersetzen.
  • Wird häufig bei Anlagen, Maschinen oder immateriellen Vermögenswerten verwendet.
  • Beispiel:
    Eine Maschine wird als Fair Value mit den aktuellen Marktpreisen für eine vergleichbare neue Maschine bewertet.

3. Fair Value in der Bilanzierung (IFRS & US-GAAP)

Nach IFRS (International Financial Reporting Standards) und US-GAAP ist der Fair Value eine wichtige Bewertungsgröße.

Fair Value-Hierarchie (IFRS 13 & FASB ASC 820)

Es gibt drei Stufen der Fair Value-Bewertung:

  1. Level 1: Marktpreise aus aktiven Märkten (z. B. Börsenpreise für Aktien).
  2. Level 2: Abgeleitete Preise aus ähnlichen Assets oder Liabilities (z. B. Anleihen, die nicht aktiv gehandelt werden, aber vergleichbare Zinssätze haben).
  3. Level 3: Modellbasierte Bewertung, wenn keine Marktdaten verfügbar sind (z. B. DCF-Bewertung für Startups oder Immobilien).

Beispiel für die Bilanzierung:

  • Aktien von Apple werden an der Börse gehandelt (Level 1) und können zum aktuellen Marktpreis bewertet werden.
  • Eine nicht börsennotierte Unternehmensbeteiligung muss über eine DCF-Analyse (Level 3) bewertet werden.

4. Fair Value im Aktien- und Finanzmarkt

1. Aktienbewertung

  • Anleger nutzen den Fair Value, um festzustellen, ob eine Aktie über- oder unterbewertet ist.
  • Eine Unterbewertung liegt vor, wenn der Fair Value über dem aktuellen Marktpreis liegt → Kaufchance.
  • Eine Überbewertung liegt vor, wenn der Fair Value unter dem aktuellen Marktpreis liegt → Verkaufschance.

Beispiel:

  • Analysten berechnen einen Fair Value von 100 € für eine Aktie.
  • Der aktuelle Marktpreis beträgt 80 € → Unterbewertet, potenziell guter Kauf.

2. Fair Value von Optionen & Derivaten

Beispiel:
Eine Option auf eine Aktie mit einem inneren Wert von 5 € und einem Zeitwert von 3 € hat einen Fair Value von 8 €.

3. Fair Value bei Futures & Indizes

  • Der Fair Value eines Aktienindex-Futures berücksichtigt:
    • Den aktuellen Indexstand.
    • Dividenden der enthaltenen Aktien.
    • Zinskosten für die Finanzierung der Position.

Beispiel:

  • Ein DAX-Future könnte aufgrund von anstehenden Dividendenzahlungen leicht unter dem aktuellen DAX-Stand notieren.

5. Fair Value vs. Marktpreis

Der Fair Value ist nicht gleich dem Marktpreis.

MerkmalFair ValueMarktpreis
DefinitionTheoretischer Wert basierend auf fundamentalen Daten.Aktueller Handelspreis auf dem Markt.
BerechnungDCF, KGV, Vergleichswerte usw.Angebot & Nachfrage auf dem Markt.
StabilitätLangfristig stabiler.Kurzfristig volatil durch Marktstimmung.
BeeinflussungFundamentale Faktoren wie Gewinne, Wachstum, Zinsen.Emotionen, Nachrichten, Marktstimmung.

Beispiel:

  • Tesla-Aktie könnte einen Fair Value von 150 € haben, aber am Markt für 250 € gehandelt werden, weil viele Anleger auf hohe Zukunftschancen spekulieren.

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6. Vor- und Nachteile des Fair Value

✅ Vorteile

✔ Hilft bei der Identifikation von unter- und überbewerteten Vermögenswerten.
✔ Beruht auf rationalen, finanziellen Kennzahlen.
✔ Wichtig für die Finanzberichterstattung nach IFRS & US-GAAP.
✔ Kann für langfristige Investmententscheidungen genutzt werden.

❌ Nachteile

Subjektivität: Der Fair Value basiert oft auf Annahmen (z. B. zukünftige Cashflows).
Veränderlichkeit: Änderungen in Zinssätzen, Marktbedingungen oder Analystenschätzungen beeinflussen den Fair Value stark.
Nicht immer mit Marktpreis übereinstimmend – Anleger können sich irrational verhalten.


7. Fazit

Der Fair Value ist ein essenzielles Konzept in der Finanzwelt und wird für die Bewertung von Aktien, Unternehmen, Immobilien und Derivaten verwendet. Während er eine objektive Basis für Investitionsentscheidungen bietet, ist er dennoch von Annahmen und Modellen abhängig.

Investoren und Analysten sollten den Fair Value mit anderen Bewertungsmethoden kombinieren und stets den Einfluss von Marktstimmung und externen Faktoren berücksichtigen.

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