Basel II

Diese Begriffserklärung teilen
« Zurück zum Glossar Index

Basel II ist ein internationales Regelwerk, das von der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) entwickelt wurde und dazu dient, die Finanzstabilität im internationalen Bankwesen zu fördern. Es wurde 2004 von der BIZ verabschiedet und ist die zweite Fassung eines umfassenden Regelwerks zur Bankenaufsicht, das als Basel-Abkommen bekannt ist.

Basel II zielt darauf ab, die Banken dazu zu verpflichten, eine adäquate Eigenkapitalbasis zu halten, um sich gegen verschiedene Risiken abzusichern, die im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit auftreten können. Das Regelwerk wurde von vielen Ländern übernommen und ist weltweit eine der zentralen Grundlagen für die Regulierung von Banken. Es wurde in den folgenden Jahren durch Basel III ersetzt, um zusätzliche Anforderungen nach der Finanzkrise von 2008 zu schaffen.

Ziele von Basel II

  1. Stärkung der Stabilität des Bankensystems:
    • Basel II verfolgt das Ziel, die Banken widerstandsfähiger gegenüber finanziellen Schocks zu machen und das Risiko von Bankenzusammenbrüchen zu verringern. Dazu sollen die Banken dazu angehalten werden, sich mit ausreichendem Eigenkapital gegen Risiken abzusichern.
  2. Förderung einer besseren Risikomanagementpraxis:
    • Basel II legt großen Wert auf die Verbesserung des Risikomanagements der Banken und die Umsetzung von Maßnahmen, um potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und zu steuern.
  3. Verbesserung der Transparenz und Marktdisziplin:
    • Durch klare Anforderungen und Standards sollen die Banken und die Aufsichtsbehörden besser in der Lage sein, das Risiko von Banken zu bewerten und auf Marktrisiken und -krisen angemessen zu reagieren.

Drei Säulen von Basel II

Basel II besteht aus drei wesentlichen Säulen, die zusammen eine umfassende und ausgewogene Regulierung ermöglichen:

1. Säule: Mindestkapitalanforderungen

Diese Säule beschäftigt sich mit der Berechnung der Kapitalanforderungen für Banken. Die Mindestkapitalanforderungen sind darauf ausgerichtet, Banken eine ausreichende Eigenkapitalbasis zu verschaffen, um bestimmte Risiken abzudecken. Sie basieren auf drei Hauptarten von Risiken:

  • Kreditrisiko: Das Risiko, dass ein Kreditnehmer seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Banken müssen Eigenkapital halten, das ausreicht, um Verluste durch Kreditausfälle zu decken.
  • Marktrisiko: Das Risiko von Verlusten, die aufgrund von Schwankungen der Marktpreise, wie etwa Aktienkurse, Zinsen oder Rohstoffpreise, entstehen.
  • Operationelles Risiko: Das Risiko von Verlusten, die durch fehlerhafte interne Prozesse, menschliches Versagen, technische Probleme oder externe Ereignisse verursacht werden.

Die Höhe des erforderlichen Eigenkapitals hängt von der Risikostruktur eines Unternehmens ab. Hier kommen auch intern entwickelte Modelle der Banken zum Einsatz, die eine genauere und risikoadäquate Berechnung ermöglichen, im Vergleich zu den vereinfachten Standardansätzen.

2. Säule: Aufsicht und Überprüfung

In dieser Säule geht es um die Rolle der Aufsichtsbehörden. Diese sollen sicherstellen, dass Banken nicht nur die Mindestkapitalanforderungen erfüllen, sondern auch die Risikomanagementpraktiken effizient sind. Die Aufsichtsbehörden haben die Aufgabe, eine aufsichtliche Überprüfung durchzuführen, um zu gewährleisten, dass Banken ihre Risiken angemessen managen und ihre Kapitalanforderungen erfüllen.

Die Banken müssen regelmäßig ihre internen Risikomodelle und -methoden zur Einschätzung von Risiken mit den Aufsichtsbehörden abstimmen. Falls die Banken nicht über genügend Eigenkapital verfügen, um Risiken zu decken, kann die Aufsichtsbehörde zusätzliche Kapitalanforderungen festlegen oder andere Maßnahmen ergreifen.

3. Säule: Marktdisziplin

Diese Säule fördert die Transparenz und ermöglicht es den Märkten und Investoren, Informationen über die Risikosituation und Kapitalstruktur von Banken zu erhalten. Es wird von den Banken erwartet, dass sie regelmäßig detaillierte Informationen über ihre Risikopositionen und Eigenkapitalanforderungen veröffentlichen.

Das Ziel dieser Säule ist es, das Verhalten von Investoren und anderen Marktakteuren zu beeinflussen, indem sie durch Veröffentlichungspflichten und Offenlegungen der Bankrisiken in der Lage sind, die Finanzstabilität zu überwachen und sicherzustellen, dass Banken keine unverhältnismäßigen Risiken eingehen.

Wichtige Aspekte von Basel II

  • Risikogewichtete Aktiva (RWA): Eine der zentralen Konzepte in Basel II ist die risikogewichtete Bilanzsumme. Dabei wird die Bilanzsumme einer Bank nicht einfach mit einem festen Prozentsatz zur Berechnung des Eigenkapitals herangezogen, sondern es wird eine Risikogewichtung der verschiedenen Positionen vorgenommen. Kredite, die als risikoreicher eingeschätzt werden, erfordern mehr Eigenkapital als risikoärmere Kredite.
  • Eigenkapitalquote: Basel II legt fest, dass Banken mindestens 8 % des Werts ihrer risikogewichteten Aktiva als Eigenkapital vorhalten müssen. Diese Eigenkapitalquote dient dazu, das Risiko von Verlusten und Bankenzusammenbrüchen zu minimieren.
  • Erweiterte Modellansätze: Im Vergleich zu Basel I erlaubt Basel II den Banken, intern entwickelte Modelle zur Berechnung von Risiko und Kapitalbedarf zu nutzen. Dies führt zu einer individuelleren und präziseren Berechnung der Eigenkapitalanforderungen, abhängig von der Risikostruktur und dem Risikomanagement der jeweiligen Bank.

Kritik und Weiterentwicklungen: Basel III

Obwohl Basel II viele positive Aspekte hatte, wurden während und nach der Finanzkrise 2008 einige Schwächen deutlich. Besonders die Ausweitung von operationellen Risiken und die nicht ausgereifte Regulierung des Marktrisikos führten zu unerwarteten Verlusten bei Banken. Außerdem zeigte sich, dass nicht alle Banken ausreichend Kapitalpolster für unerwartete Schocks hatten.

Als Reaktion auf die Finanzkrise wurde Basel III entwickelt, das die Eigenkapitalanforderungen noch weiter verschärft und neue Vorschriften für Liquidität und Leverage einführt, um das Risiko von zukünftigen Finanzkrisen zu minimieren.

Beispiele für die Anwendung von Basel II

  1. Europäische Union:
    • In der EU sind alle Banken verpflichtet, die Anforderungen von Basel II zu erfüllen, was sicherstellt, dass sie über ausreichende Eigenkapitalpuffer verfügen, um Risiken zu decken und die finanzielle Stabilität im Bankensystem zu wahren.
  2. USA:
    • In den USA wurde Basel II ebenfalls angewendet, wobei die Federal Reserve und die Office of the Comptroller of the Currency (OCC) dafür verantwortlich sind, dass die Banken die vorgeschriebenen Eigenkapitalanforderungen erfüllen.

Fazit: Basel II hat weltweit eine grundlegende Veränderung im Risikomanagement der Banken bewirkt, indem es den Fokus auf die adäquate Kapitalausstattung in Bezug auf Risiken gelegt hat. Durch die drei Säulen werden sowohl die Banken als auch die Aufsichtsbehörden dazu angehalten, die Finanzstabilität zu gewährleisten und den Markt vor den Folgen unkontrollierter Bankpraktiken zu schützen.

Wir sind darum bemüht die angebotenen Informationen aktuell zu halten und diese in knapper und verständlicher Form darzustellen. Fehler und Irrtümer bleiben aber menschlich und darum vorbehalten. Bei Unstimmigkeiten zu einem Begriff, bitten wir darum dies per E-Mail mit uns zu diskutieren. Bitte nutze hierfür unsere E-Mail: info@jupiterexpress.de« Zurück zum Glossar Index