Erstpreisauktion

Diese Begriffserklärung teilen
« Zurück zum Glossar Index
Erstpreisauktion

Bild von maniacvector auf Freepik

Die Erstpreisauktion (First-Price Auction) ist eine klassische Auktionsform, bei der jeder Bieter ein verdecktes Gebot abgibt und der Höchstbietende das Objekt zum eigenen Gebotspreis erhält. Dies unterscheidet sie von der Zweitpreisauktion (Vickrey-Auktion), bei der der Gewinner nur den zweithöchsten Preis zahlen muss.


Ablauf einer Erstpreisauktion

  1. Alle Bieter geben verdeckte Gebote ab
    • Jeder Bieter bestimmt einen Betrag, den er bereit ist zu zahlen, und gibt sein Gebot geheim ab.
    • Die Gebote werden gleichzeitig eingereicht (keine Möglichkeit, andere Gebote zu sehen).
  2. Höchstes Gebot gewinnt
    • Der Bieter mit dem höchsten Gebot erhält den Zuschlag.
  3. Gewinner zahlt sein eigenes Gebot

Beispiel einer Erstpreisauktion

Angenommen, drei Personen bieten auf ein Kunstwerk:

  • Bieter A: 100 €
  • Bieter B: 150 €
  • Bieter C: 200 €

➡️ Bieter C gewinnt die Auktion und zahlt 200 €, weil dies sein eigenes Gebot war.

Hätte er in einer Zweitpreisauktion (Vickrey-Auktion) geboten, hätte er nur 150 € zahlen müssen (das zweithöchste Gebot).


Strategie in einer Erstpreisauktion

Da der Gewinner sein eigenes Gebot zahlen muss, können sich Bieter nicht darauf verlassen, dass sie nur den zweithöchsten Preis zahlen (wie in einer Vickrey-Auktion). Deshalb nutzen Bieter strategische Unterbietung (Bid Shading), um nicht zu viel zu zahlen.

Bid Shading (Strategisches Unterbieten)

  • Bieter geben oft ein niedrigeres Gebot als ihre wahre Zahlungsbereitschaft ab, um den Preis zu drücken.
  • Wenn ein Bieter z. B. bereit wäre, 200 € zu zahlen, könnte er stattdessen 180 € bieten, um Geld zu sparen, falls die Konkurrenz niedriger bietet.
  • Der optimale Abschlag hängt davon ab, wie viele Teilnehmer es gibt und welche Gebote sie voraussichtlich abgeben.

Mathematisches Modell (Optimale Gebotsstrategie bei n Bietern)

Bei n symmetrischen Bietern, deren maximale Zahlungsbereitschaft zufällig verteilt ist, ist das optimale Gebot (b∗b^*) bei einer gleichmäßigen Verteilung U(0,1)U(0,1) gegeben durch: b∗=v×n−1nb^* = v \times \frac{n-1}{n}

wo:

  • vv die maximale Zahlungsbereitschaft des Bieters ist,
  • nn die Anzahl der Bieter ist.

Erklärung:

  • Wenn es mehr Bieter gibt, müssen Gebote näher am echten Wert liegen, da die Konkurrenz steigt.
  • Wenn es wenige Bieter gibt, kann stärker unterboten werden, weil die Wahrscheinlichkeit eines hohen Konkurrenzgebots geringer ist.

Vorteile der Erstpreisauktion

Einfaches Konzept – Jeder bietet einmal, der Höchstbietende gewinnt und zahlt sein Gebot.
Hohe Erlöse für den Verkäufer – Weil Bieter oft hoch bieten, um zu gewinnen.
Flexibilität für strategische Gebote – Bieter können durch Bid Shading versuchen, den Preis zu optimieren.


Nachteile der Erstpreisauktion

Taktisches Bieten notwendig – Bieter müssen strategisch unterbieten, um nicht zu viel zu zahlen.
Winner’s Curse (Gewinnerfluch) – Der Gewinner könnte den Artikel überbewertet und zu viel gezahlt haben.
Ineffizienz im Vergleich zur Zweitpreisauktion – Weil Bieter ihre Gebote strategisch anpassen, kann das Objekt manchmal nicht an den Bieter gehen, der es am meisten wertschätzt.


Vergleich mit anderen Auktionsformen

AuktionsartGebotsmechanismusZahlung des GewinnersStrategie
ErstpreisauktionVerdeckte GeboteGewinner zahlt eigenes GebotStrategisches Unterbieten
Zweitpreisauktion (Vickrey-Auktion)Verdeckte GeboteGewinner zahlt das zweithöchste GebotWahrheitsgemäßes Bieten
Englische AuktionOffene, steigende GeboteGewinner zahlt höchstes GebotSchrittweise Bieten
Holländische AuktionPreis fällt, erster Zuschlag gewinntGewinner zahlt den aktuellen PreisSchnelles Zuschlagen oder Abwarten

„Du möchtest zu diesen Begriff oder einem anderen Thema mit uns ins Gespräch kommen?“

Dann kontaktiere uns einfach hier! 😊


Anwendungsbereiche der Erstpreisauktion

  1. Online-Werbung (Programmatic Bidding)
    • Früher basierten Google Ads und andere Werbeauktionen auf Erstpreisauktionen (heute oft Zweitpreisauktionen oder modifizierte Versionen).
  2. Öffentliche Ausschreibungen
    • Unternehmen bieten verdeckt auf Bauprojekte oder Regierungsaufträge.
  3. Immobilienverkäufe
    • Häuser werden oft in verdeckten Erstpreisauktionen verkauft.
  4. Privatverkäufe
    • Manche Verkäufer nutzen Erstpreisauktionen für seltene oder wertvolle Güter.

Fazit

Die Erstpreisauktion ist eine der wichtigsten und häufigsten Auktionsformen. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass strategisches Unterbieten erforderlich ist, da der Gewinner den Preis seines eigenen Gebots zahlt. Während sie für den Verkäufer hohe Erlöse generieren kann, führt die Notwendigkeit strategischer Gebote manchmal zu Ineffizienzen, da der Höchstbietende nicht unbedingt derjenige ist, der den Gegenstand am meisten wertschätzt.

Wir sind darum bemüht die angebotenen Informationen aktuell zu halten und diese in knapper und verständlicher Form darzustellen. Fehler und Irrtümer bleiben aber menschlich und darum vorbehalten. Bei Unstimmigkeiten zu einem Begriff, bitten wir darum dies per E-Mail mit uns zu diskutieren. Bitte nutze hierfür unsere E-Mail: info@jupiterexpress.de« Zurück zum Glossar Index