Kalte Progression
1. Was ist die Kalte Progression?
Die kalte Progression beschreibt einen Effekt im Einkommensteuersystem, bei dem Steuerzahler durch Lohnerhöhungen real nicht mehr verdienen, weil sie in höhere Steuerklassen rutschen und damit prozentual mehr Steuern zahlen müssen.
🔹 Problem: Obwohl das Einkommen steigt, bleibt die Kaufkraft gleich oder nimmt sogar ab.
🔹 Grund: Steuersätze sind progressiv, d. h. mit steigendem Einkommen steigt auch der Steueranteil.
2. Warum entsteht die Kalte Progression?
Die Ursache liegt in der Kombination aus:
✅ Inflation → Geld verliert an Wert
✅ Progressiver Einkommensteuertarif → Höheres Einkommen bedeutet höhere Steuerlast
💡 Folge: Wer nur eine inflationsbedingte Gehaltserhöhung bekommt, zahlt mehr Steuern, ohne dass er sich tatsächlich mehr leisten kann.
3. Beispiel für Kalte Progression
📊 Ausgangslage (Jahr 1)
- Bruttoeinkommen: 40.000 €
- Steuersatz: 25 %
- Nettoeinkommen: 30.000 €
📊 Nach Lohnerhöhung wegen Inflation (Jahr 2)
- Neue Inflation: 5 %
- Neues Bruttoeinkommen: 42.000 €
- Neuer Steuersatz: 28 %
- Neues Nettoeinkommen: 30.240 €
📌 Ergebnis:
➡ Einkommen ist um 5 % gestiegen, aber die Steuerlast ist überproportional gewachsen.
➡ Die Kaufkraft ist fast gleich geblieben.
4. Auswirkungen der Kalten Progression
🔴 Nachteile:
❌ Arbeitnehmer verlieren Kaufkraft trotz Lohnerhöhung
❌ Staat profitiert automatisch von inflationsbedingten Gehaltssteigerungen
❌ Weniger Motivation für Gehaltsverhandlungen
🟢 Lösungen:
✔ Steuertarife regelmäßig an die Inflation anpassen (Steuerindexierung)
✔ Erhöhung von Freibeträgen zur Entlastung der Bürger
5. Fazit
📌 Die Kalte Progression sorgt für eine versteckte Steuererhöhung.
📌 Wer nur eine inflationsbedingte Gehaltserhöhung bekommt, zahlt unverhältnismäßig mehr Steuern.
📌 Lösung: Politik muss Freibeträge und Steuersätze regelmäßig anpassen, um diesen Effekt zu vermeiden.
