Bestellmenge
Die Bestellmenge bezeichnet die Menge an Waren oder Materialien, die bei einer Bestellung von einem Lieferanten geordert wird. Sie ist eine zentrale Größe im Beschaffungs- und Lagerwesen und beeinflusst direkt die Lagerhaltungskosten, die Beschaffungskosten sowie die Versorgungssicherheit eines Unternehmens.
Ziele der Bestellmengenplanung
- Optimierung der Lagerkosten:
- Vermeidung von zu hohen Lagerbeständen, die Kapital binden und Lagerkosten verursachen.
- Minimierung der Beschaffungskosten:
- Reduzierung von Bestellkosten, die durch häufige kleine Bestellungen entstehen.
- Sicherstellung der Verfügbarkeit:
- Sicherstellen, dass benötigte Materialien oder Waren rechtzeitig und in ausreichender Menge vorhanden sind.
- Effiziente Nutzung von Ressourcen:
- Optimierung von Transport-, Produktions- und Lagerkapazitäten.
Einflussfaktoren auf die Bestellmenge
- Bedarf:
- Abhängig von der Menge der Waren, die im Produktionsprozess oder im Verkauf benötigt werden.
- Lieferzeiten:
- Bei langen Lieferzeiten muss die Bestellmenge eventuell höher ausfallen, um Engpässe zu vermeiden.
- Lagerkapazitäten:
- Begrenzte Lagerflächen setzen der maximalen Bestellmenge Grenzen.
- Kosten:
- Bestellkosten: Je Bestellung fallen fixe Kosten an (z. B. Bearbeitung, Transport).
- Lagerkosten: Größere Mengen verursachen höhere Lagerkosten.
- Rabatte:
- Mengenrabatte können eine größere Bestellmenge wirtschaftlich attraktiv machen.
- Sicherheitsbestand:
- Zur Vermeidung von Lieferengpässen wird oft ein zusätzlicher Puffer eingeplant.
Optimale Bestellmenge
Die optimale Bestellmenge ist die Menge, bei der die Gesamtkosten aus Lagerhaltung und Beschaffung minimal sind. Sie wird häufig mithilfe der Andler-Formel berechnet, die folgende Größen berücksichtigt: Q=2⋅Kb⋅DKlQ = \sqrt{\frac{{2 \cdot K_b \cdot D}}{{K_l}}}
Bedeutung der Variablen:
- QQ: Optimale Bestellmenge
- KbK_b: Bestellkosten pro Bestellung
- DD: Jahresbedarf
- KlK_l: Lagerkosten pro Stück und Jahr
Beispiel:
- Jahresbedarf: 1.000 Einheiten
- Bestellkosten: 50 € pro Bestellung
- Lagerkosten: 2 € pro Stück
Q=2⋅50⋅10002=158Q = \sqrt{\frac{{2 \cdot 50 \cdot 1000}}{{2}}} = 158
Die optimale Bestellmenge beträgt 158 Einheiten.
Bestellstrategien
- Bestellpunktverfahren:
- Bestellung erfolgt, sobald der Bestand einen festgelegten Meldebestand erreicht.
- Bestellrhythmusverfahren:
- Bestellung erfolgt in festen Zeitabständen, unabhängig vom aktuellen Bestand.
- Just-in-Time-Bestellung:
- Waren werden genau dann bestellt, wenn sie benötigt werden, um Lagerhaltungskosten zu minimieren.
Vorteile einer gut geplanten Bestellmenge
- Kosteneinsparungen:
- Optimale Bestellmengen senken sowohl Lager- als auch Beschaffungskosten.
- Versorgungssicherheit:
- Reduziert das Risiko von Material- oder Warenengpässen.
- Effizienz:
- Unterstützt die bessere Planung von Lager und Transport.
- Transparenz:
- Klare Strukturen in der Beschaffungslogistik erleichtern die Überwachung.
Beispiele aus der Praxis
- Einzelhandel:
- Ein Supermarkt bestellt wöchentlich 1.000 Brote, um dem wöchentlichen Kundenbedarf zu entsprechen, ohne Überschüsse oder Engpässe zu riskieren.
- Produktion:
- Ein Automobilhersteller plant die Bestellmenge an Schrauben basierend auf den Produktionsanforderungen und den Lagerkapazitäten.
- E-Commerce:
- Ein Onlinehändler analysiert seine Verkäufe und bestellt Produkte basierend auf den prognostizierten Nachfragen.
Zusammenfassung
Die Bestellmenge ist eine entscheidende Größe im Beschaffungs- und Lagerwesen, die stark von Bedarf, Kosten, Lagerkapazitäten und Lieferzeiten beeinflusst wird. Ziel ist es, die optimale Balance zwischen Kosten und Verfügbarkeit zu finden. Mithilfe von Methoden wie der Andler-Formel oder modernen digitalen Lösungen können Unternehmen ihre Bestellmengen effizient planen und somit sowohl Kosten als auch Risiken minimieren.
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