Beschaffungslogistik

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Die Beschaffungslogistik umfasst alle logistischen Prozesse, die mit der Planung, Steuerung und Durchführung der Beschaffung von Materialien, Waren oder Dienstleistungen verbunden sind. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Unternehmenslogistik und stellt sicher, dass benötigte Güter in der richtigen Menge, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und in der gewünschten Qualität verfügbar sind.


Ziele der Beschaffungslogistik

  1. Sicherstellung der Materialversorgung:
    • Vermeidung von Produktionsausfällen oder Lieferengpässen.
  2. Kosteneffizienz:
  3. Qualitätssicherung:
    • Sicherstellung, dass die beschafften Materialien die geforderten Qualitätsstandards erfüllen.
  4. Flexibilität:
    • Reaktion auf Schwankungen in der Nachfrage oder auf Marktveränderungen.
  5. Nachhaltigkeit:
    • Reduzierung von Umweltbelastungen durch effiziente Prozesse und nachhaltige Lieferantenwahl.

Aufgaben der Beschaffungslogistik

  1. Bedarfsplanung:
    • Ermittlung, welche Güter, in welcher Menge und zu welchem Zeitpunkt benötigt werden.
    • Grundlage: Produktionspläne, Verkaufsprognosen.
  2. Lieferantenauswahl:
    • Suche und Bewertung von Lieferanten basierend auf Kriterien wie Kosten, Qualität, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit.
  3. Bestellwesen:
    • Festlegung der Bestellmengen und -intervalle.
    • Nutzung von Methoden wie dem Bestellpunkt- oder Bestellrhythmusverfahren.
  4. Transportplanung:
    • Auswahl der Transportmittel (z. B. LKW, Schiff, Bahn) und Routenoptimierung.
  5. Lagerverwaltung:
    • Organisation des Wareneingangs, der Zwischenlagerung und der Weiterleitung an die Produktion oder den Vertrieb.
  6. Monitoring und Controlling:
    • Überwachung der Lieferketten und Bewertung der Lieferantenleistung.

Prozess der Beschaffungslogistik

  1. Bedarfsermittlung:
    • Identifikation des Materialbedarfs anhand von Produktionsplänen oder Aufträgen.
    • Arten der Bedarfsermittlung:
      • Deterministisch: Bedarf wird exakt auf Basis von Produktionsplänen berechnet.
      • Stochastisch: Bedarf wird anhand von Verbrauchsstatistiken prognostiziert.
      • Heuristisch: Bedarf wird geschätzt, z. B. bei Neuprodukten.
  2. Beschaffungsplanung:
    • Festlegung der Mengen, Zeitpunkte und Logistikprozesse.
    • Entscheidung zwischen Vorratsbeschaffung, Einzelbeschaffung oder Just-in-Time-Beschaffung.
  3. Lieferantenauswahl und Bestellung:
    • Verhandlung und Abschluss von Verträgen mit Lieferanten.
    • Platzierung der Bestellungen.
  4. Transport und Lieferung:
    • Organisation der Warentransporte, Überwachung der Lieferzeiten und Sicherstellung einer termingerechten Ankunft.
  5. Wareneingang und Prüfung:
    • Kontrolle der eingegangenen Güter auf Menge, Qualität und Übereinstimmung mit den Bestellungen.

Strategien in der Beschaffungslogistik

  1. Just-in-Time (JIT):
    • Materialien werden genau dann geliefert, wenn sie benötigt werden.
    • Vorteile: Reduktion der Lagerkosten.
    • Nachteile: Höhere Abhängigkeit von Lieferanten und Störungen in der Lieferkette.
  2. Just-in-Sequence (JIS):
    • Erweiterung von JIT, bei der die Materialien nicht nur rechtzeitig, sondern auch in der richtigen Reihenfolge geliefert werden.
  3. Vorratsbeschaffung:
    • Güter werden auf Lager gehalten, um jederzeit verfügbar zu sein.
    • Vorteile: Sicherheit bei Lieferverzögerungen.
    • Nachteile: Höhere Lagerkosten.
  4. Single Sourcing:
    • Bezug eines Materials von einem einzigen Lieferanten.
    • Vorteile: Günstigere Konditionen durch langfristige Zusammenarbeit.
    • Nachteile: Risiko bei Lieferausfällen.
  5. Multiple Sourcing:
    • Bezug eines Materials von mehreren Lieferanten.
    • Vorteile: Risikoverteilung.
    • Nachteile: Höherer Aufwand bei der Koordination.

Herausforderungen der Beschaffungslogistik

  1. Globale Lieferketten:
    • Steigende Komplexität durch internationale Beschaffung.
    • Beispiel: Verzögerungen durch Zollabwicklungen oder geopolitische Ereignisse.
  2. Kostenkontrolle:
    • Balance zwischen günstigen Beschaffungskosten und der Einhaltung von Lieferzeiten und Qualitätsanforderungen.
  3. Nachhaltigkeit:
    • Integration ökologischer und sozialer Standards in die Beschaffung.
  4. Flexibilität:
    • Fähigkeit, auf kurzfristige Änderungen der Nachfrage oder der Marktbedingungen zu reagieren.
  5. Technologieeinsatz:

Beispiele aus der Praxis

  1. Automobilindustrie:
    • Ein Automobilhersteller beschafft Bauteile wie Motoren oder Sitze im Just-in-Sequence-Verfahren, um Lagerkosten zu minimieren.
  2. Einzelhandel:
    • Ein Supermarktkettenbetreiber nutzt automatische Bestellsysteme, die basierend auf Verkaufsdaten den Bedarf ermitteln und Bestellungen auslösen.
  3. Pharmaindustrie:
    • Pharmaunternehmen setzen auf strenge Qualitätskontrollen und zertifizierte Lieferanten, um die hohen Anforderungen an Arzneimittel zu erfüllen.

Zusammenfassung

Die Beschaffungslogistik ist ein essenzieller Bestandteil der Lieferkette, der die Versorgung eines Unternehmens mit den notwendigen Gütern sicherstellt. Sie erfordert eine präzise Planung und Steuerung, um Kosten zu minimieren, die Qualität zu sichern und auf Marktschwankungen flexibel zu reagieren. Moderne Technologien und nachhaltige Ansätze spielen eine immer größere Rolle, um die Beschaffungslogistik zukunftsfähig zu gestalten.

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