IS-LM-Modell

Diese Begriffserklärung teilen
« Zurück zum Glossar Index
IS-LM-Modell

Bild von maniacvector auf Freepik

Das IS-LM-Modell ist ein makroökonomisches Modell, das das Zusammenspiel zwischen dem Gütermarkt (IS-Kurve) und dem Geldmarkt (LM-Kurve) beschreibt. Es wurde von John Hicks in den 1930er Jahren entwickelt, um die Ideen von John Maynard Keynes formal darzustellen. Das Modell zeigt, wie sich Zinsen und Produktion (BIP) im Gleichgewicht verhalten und welche Auswirkungen Fiskal- und Geldpolitik haben.


1. Die IS-Kurve – Gleichgewicht im Gütermarkt

Die IS-Kurve beschreibt alle Kombinationen von Zinssatz (i) und Einkommen (Y), bei denen der Gütermarkt im Gleichgewicht ist.

Herleitung der IS-Kurve:

  • Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage setzt sich zusammen aus Konsum (C), Investitionen (I), Staatsausgaben (G) und Nettoexporten (NX): Y=C+I+G+NXY = C + I + G + NX
  • Investitionen (I) hängen negativ vom Zinssatz ab:
    • Hohe Zinsen → weniger Investitionen
    • Niedrige Zinsen → mehr Investitionen
  • Wenn Zinsen sinken, steigen Investitionen und damit auch das Einkommen Y → Die IS-Kurve ist fallend.

Verschiebung der IS-Kurve:

  • Erhöhung der Staatsausgaben oder Steuererleichterungen → Rechtsverschiebung (höheres Einkommen bei gleichem Zinssatz).
  • Senkung der Staatsausgaben oder Steuererhöhungen → Linksverschiebung.

2. Die LM-Kurve – Gleichgewicht im Geldmarkt

Die LM-Kurve beschreibt alle Kombinationen von Zinssatz (i) und Einkommen (Y), bei denen der Geldmarkt im Gleichgewicht ist.

Herleitung der LM-Kurve:

  • Die Geldnachfrage L(Y,i)L(Y, i) setzt sich aus Transaktionsmotiven (hängt vom Einkommen ab) und Spekulationsmotiven (hängt vom Zinssatz ab) zusammen.
  • Die Geldmenge MM wird von der Zentralbank vorgegeben.
  • Wenn das Einkommen steigt, steigt auch die Geldnachfrage, was zu höheren Zinsen führt → LM-Kurve ist steigend.

Verschiebung der LM-Kurve:

  • Erhöhung der Geldmenge (expansive Geldpolitik) → Rechtsverschiebung (niedrigere Zinsen bei gleichem Einkommen).
  • Senkung der Geldmenge (restriktive Geldpolitik) → Linksverschiebung.

3. Das Gleichgewicht im IS-LM-Modell

Das Schnittpunkt der IS- und LM-Kurve zeigt das makroökonomische Gleichgewicht von Zinssatz und Einkommen.

  • Fiskalpolitik (Änderung von G oder T): Verschiebt die IS-Kurve.
  • Geldpolitik (Änderung von M): Verschiebt die LM-Kurve.

4. Politische Implikationen des IS-LM-Modells

1. Expansive Fiskalpolitik (z. B. höhere Staatsausgaben)

  • IS-Kurve verschiebt sich nach rechts → Höheres Einkommen Y, aber auch höherer Zinssatz i.
  • Höhere Zinsen können private Investitionen verdrängen (Crowding-Out-Effekt).

2. Expansive Geldpolitik (z. B. höhere Geldmenge)

  • LM-Kurve verschiebt sich nach rechts → Niedrigere Zinsen i, höhere Investitionen und Einkommen Y.
  • Besonders wirksam, wenn die Wirtschaft in einer Rezession ist.

3. Liquiditätsfalle (Keynesianische Interpretation)

  • Wenn die Zinsen bereits sehr niedrig sind, kann zusätzliche Geldpolitik unwirksam sein, weil die Geldnachfrage unendlich elastisch wird → IS-Kurve ist steiler, LM-Kurve flach.
  • Beispiel: Japan in den 1990er Jahren oder die Eurokrise.

5. Kritik am IS-LM-Modell

  • Kurzfristiges Modell: Das Modell ignoriert langfristige Faktoren wie Inflation oder Wirtschaftswachstum.
  • Vernachlässigung von Angebotseffekten: Es betrachtet nur die Nachfrage.
  • Keine Erwartungen berücksichtigt: Moderne Theorien wie die Neue Klassische Makroökonomie betonen Erwartungen und Mikrofundierung.

Fazit

Das IS-LM-Modell ist ein zentrales Werkzeug der Makroökonomie, um das Zusammenspiel von Fiskal- und Geldpolitik zu analysieren. Es zeigt, wie sich Zinsen und Einkommen gegenseitig beeinflussen, und bietet eine einfache Erklärung für konjunkturelle Schwankungen. Trotz einiger Schwächen bleibt es eine wichtige Grundlage für wirtschaftspolitische Entscheidungen.

Du möchtest zu diesen Begriff oder einem anderen Thema mit uns ins Gespräch kommen? 
Dann kontaktiere uns einfach hier! 😊

Wir sind darum bemüht die angebotenen Informationen aktuell zu halten und diese in knapper und verständlicher Form darzustellen. Fehler und Irrtümer bleiben aber menschlich und darum vorbehalten. Bei Unstimmigkeiten zu einem Begriff, bitten wir darum dies per E-Mail mit uns zu diskutieren. Bitte nutze hierfür unsere E-Mail: info@jupiterexpress.de« Zurück zum Glossar Index